Der Weg zum sicheren Freilauf: So baust du Vertrauen auf und trainierst deinen Hund für die Freiheit.
Ein Hund, der frei durch die Natur streift, dabei aber jederzeit auf dich hört — das ist für viele Hundebesitzer der Traum. Freilauf ist nicht nur Bewegungsfreiheit, sondern echte Lebensqualität für deinen Hund. Doch bis dieser Traum sicher gelebt werden kann, braucht es geduldiges Training, klare Voraussetzungen und ein ehrliches Selbstbild: Ist mein Hund wirklich schon so weit?
Bevor du deinen Hund von der Leine lässt, solltest du zwei Grundfähigkeiten solide etabliert haben.
Der Abruf ist das wichtigste Sicherheitsnetz im Freilauf. Dein Hund muss auf ein klares Signal — zum Beispiel ein Pfeifton, „Komm!" oder deinen Namen — schnell und ohne Zögern zu dir zurückkehren. Entscheidend: Das klappt nicht nur zuhause oder im Garten, sondern auch bei Ablenkungen wie anderen Hunden, Wildgeruch oder Radfahrern.
Teste deinen Abruf bewusst in verschiedenen Situationen:
Wenn du bei einem dieser Punkte zögerst, ist das kein Versagen — es ist ein ehrlicher Befund, der dir zeigt, wo noch Trainingsarbeit wartet.
Freilauf bedeutet, dass dein Hund ständig Entscheidungen trifft. Impulskontrolle ist die Fähigkeit, in spannenden Momenten innezuhalten und auf dich zu schauen, anstatt reflexartig zu reagieren. Übe das gezielt:
Der häufigste Fehler beim Freilauftraining ist zu viel zu schnell. Die Schleppleine ist dein wichtigstes Werkzeug für einen sicheren Aufbau.
Beginne auf einem langen Feldweg oder einer Wiese ohne Wildwechsel. Leg deinem Hund eine 10–15 Meter lange Schleppleine an und lass sie locker am Boden schleifen. Du hast die Kontrolle, aber dein Hund erlebt sich als frei.
Rufe deinen Hund regelmäßig zu dir — nicht nur dann, wenn etwas passiert. Belohne jeden Abruf großzügig: mit Leckerlis, Spiel, Lob. Der Rückruf soll für deinen Hund das Tollste sein, was ihm passieren kann.
Wenn der Abruf an der Schleppleine zuverlässig funktioniert, kannst du die Leine nach und nach schlaff halten und ihn weiter vorauslaufen lassen. Lass dich von seinem Verhalten leiten:
Wähle für den ersten echten Freilauf eine eingezäunte Fläche oder einen Ort, an dem du die Umgebung gut überblickst. Wenig Ablenkung, kein Wildgeruch, keine Straßen in der Nähe. Lass die Schleppleine kurz fallen, beobachte, ruf ab, belohne — und leg sie wieder an. Kurze Erfolgsmomente bauen Vertrauen auf, auf beiden Seiten.
Nicht jede Umgebung eignet sich für Freilauf — und das hat nichts mit der Qualität deines Trainings zu tun.
Geeignete Orte:
Vorsicht geboten:
Ehrlichkeit ist hier entscheidend. Es gibt Hunde und Situationen, bei denen Freilauf — zumindest aktuell — keine gute Idee ist.
Hunde mit ausgeprägtem Jagdtrieb können in Bruchteilen von Sekunden auf Wild reagieren und dann für Minuten oder Stunden nicht mehr erreichbar sein. Das ist kein Gehorsamproblem, sondern ein triebgesteuerter Reflex, der gezieltes Training braucht. Schleppleine und professionelle Begleitung sind hier Pflicht.
Wenn du dir nicht sicher bist, ob dein Hund in 9 von 10 Fällen zurückkommt — lass ihn angeleint. Ein Abruf, der nur manchmal funktioniert, ist kein Abruf, auf den du im Ernstfall bauen kannst.
In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung für Leinenpflicht. Jedes Bundesland, jede Gemeinde kann eigene Vorschriften haben. Informiere dich vor Ort:
Unwissenheit schützt nicht vor Bußgeldern — und vor allem nicht vor Unfällen.
Freilauftraining ist kein Sprint, sondern ein Prozess. Das Vertrauen, das du in dieser Zeit aufbaust, ist stabiler als jede Technik.
Grundregeln für nachhaltigen Aufbau:
Unabhängig vom Trainingsstand solltest du einen Notabruf trainieren — ein Signal, das du ausschließlich in Gefahrensituationen einsetzt und das mit der größten Belohnung verbunden ist, die du dir vorstellen kannst.
So trainierst du ihn:
Freilauftraining — besonders bei jagdaffinen, ängstlichen oder impulsiven Hunden — ist anspruchsvoll. Es gibt keine Schande darin, sich Hilfe zu holen. Im Gegenteil: Ein erfahrener Trainer kann Fehler früh erkennen, sichere Übungsumgebungen schaffen und dir zeigen, wie dein Hund wirklich tickt.
Auf hundeschulen-finder.de findest du qualifizierte Hundeschulen in deiner Nähe, die auf Freilauftraining und Abrufarbeit spezialisiert sind. Gib einfach deinen Ort ein und vergleiche Angebote — damit der Traum vom zuverlässigen Freilauf für dich und deinen Hund Wirklichkeit wird.