Woran du erkennst, ob dein Hund zu dick ist – und wie du mit Ernährung und Bewegung gesund abnimmst.
Fast jeder zweite Hund in Deutschland ist zu dick. Das klingt erschreckend, ist aber die Realität: Laut verschiedenen Studien sind bis zu 50 Prozent aller Hunde hierzulande übergewichtig, manche Schätzungen gehen sogar auf 65 Prozent. Das Tückische daran: Die meisten Halter merken es nicht. Gerade mal acht Prozent der Hundebesitzer schätzen ihren Hund selbst als übergewichtig ein. Dabei ist zu viel Körperfett kein Schönheitsproblem – es verkürzt das Leben und macht krank.
Der zuverlässigste Weg, das Gewicht deines Hundes einzuschätzen, ist der Body Condition Score (BCS) – ein System, das von der World Small Animal Veterinary Association (WSAVA) empfohlen wird und in Tierarztpraxen weltweit verwendet wird. Die Skala geht von 1 (stark untergewichtig) bis 9 (hochgradig adipös), wobei 4 bis 5 als ideal gilt.
Du brauchst dafür keine Waage – deine Hände reichen aus.
Zeigen alle drei Punkte Auffälligkeiten, ist ein Besuch beim Tierarzt zur genauen Gewichtsbeurteilung sinnvoll. Dort wird oft auch ein rassetypischer Sollgewichtsbereich als Referenz verwendet.
Ein Labrador mit 38 Kilogramm kann idealgewichtig sein – ein anderer mit denselben Kilos schon deutlich zu schwer. Es gibt keine universelle Zahl, ab der ein Hund als übergewichtig gilt. Stattdessen zählt das Verhältnis von Körpermasse zu Körperbau, Alter und Rasse.
Besonders übergewichtsgefährdet sind laut Studien:
Das liegt teils an der Genetik, teils daran, dass diese Rassen als besonders fressmotiviert gelten und ihre Halter sie daher häufiger überversorgen.
Die häufigste Ursache ist schlicht eine positive Energiebilanz: Der Hund nimmt mehr Kalorien auf, als er verbraucht. Zu große Portionen, kalorienreiche Leckerlis zwischen den Mahlzeiten und wenig Auslauf summieren sich schnell. Viele Halter unterschätzen zudem, wie viele Kalorien in handelsüblichen Snacks stecken – manche Leckerlies liefern in kleiner Menge so viel Energie wie eine ganze Mahlzeit.
Nach der Kastration sinkt der Grundumsatz eines Hundes deutlich – je nach Studie um bis zu 30 Prozent. Gleichzeitig steigt durch hormonelle Veränderungen oft der Appetit. Wer die Futtermenge nach der Kastration nicht anpasst, sieht seinen Hund oft innerhalb weniger Monate zunehmen. Kastrierte Tiere brauchen in der Regel weniger Kalorien als intakte.
Ältere Hunde bewegen sich weniger und ihr Stoffwechsel verlangsamt sich. Futter, das mit fünf Jahren noch passte, kann mit neun Jahren schon zu viel sein. Viele Halter passen die Futtermenge nicht an den veränderten Bedarf ihres alternden Hundes an.
Manchmal steckt eine Erkrankung hinter der Gewichtszunahme. Die häufigste ist die Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion): Die Schilddrüse produziert zu wenig Hormone, der Stoffwechsel fährt herunter, der Hund nimmt trotz normaler Futtermenge zu. Weitere mögliche Ursachen sind das Cushing-Syndrom (Überproduktion von Kortisol) oder andere Hormonstörungen. Wenn dein Hund trotz angepasster Ernährung und ausreichend Bewegung zunimmt, sollte ein Blutbild Klarheit schaffen.
Manche Hunde sind genetisch darauf ausgelegt, besonders effizient Energie zu speichern – ein Überlebensvorteil in der Wildnis, im Hundeleben von heute aber eher ein Nachteil. Hier ist besondere Disziplin in der Fütterung gefragt.
Zu viel Körperfett ist für Hunde kein harmloses Thema. Studien belegen, dass die Lebenserwartung übergewichtiger Hunde um bis zu zwei Jahre sinkt – das entspricht in etwa 20 Prozent der durchschnittlichen Lebenserwartung. Darüber hinaus erhöht Übergewicht das Risiko für eine Reihe von Erkrankungen erheblich:
Bevor du irgendetwas an Futter oder Bewegung änderst, lass deinen Hund untersuchen. Der Tierarzt kann hormonelle Ursachen ausschließen, das Idealgewicht für deine Rasse bestimmen und einen realistischen Abnahmeplan erstellen. Viele Kliniken bieten inzwischen auch spezialisierte Gewichtsmanagement-Sprechstunden an.
Das Ziel beim gesunden Abnehmen ist eine Gewichtsreduktion von maximal ein bis zwei Prozent des Körpergewichts pro Woche. Schneller führt zu Muskelverlust und Nährstoffmangel. Die wichtigsten Stellschrauben:
Mehr Bewegung ist sinnvoll, aber Vorsicht: Ein übergewichtiger Hund mit belasteten Gelenken sollte nicht plötzlich täglich stundenlang laufen. Starte behutsam und steigere langsam.
Wiege deinen Hund alle zwei Wochen unter gleichen Bedingungen – idealerweise auf derselben Waage, morgens vor dem Fressen. Führe kurz Buch, damit du siehst, ob der Plan aufgeht, oder ob du nachjustieren musst. Nimmt dein Hund gar nicht ab oder zu langsam, sprich wieder mit deinem Tierarzt.
Einer der häufigsten Gründe, warum Hundegewichtsdiäten scheitern: Ein Familienmitglied füttert heimlich weiter Leckerlis. Der Hund lernt schnell, wer der großzügige Versorger ist – und betettelt genau diese Person. Alle im Haushalt müssen an einem Strang ziehen. Besprecht gemeinsam, welche Snacks erlaubt sind und wer wann wie viel füttert.
Übergewicht begrenzt die Bewegungsfreude und damit auch die Trainingserfolge. Gerade Hunde, die lange zu wenig Auslauf hatten, brauchen beim Wiedereinstieg in ein aktives Hundeleben Unterstützung – damit Bewegung Freude macht und nicht Überforderung erzeugt.
Eine gute Hundeschule kann helfen, Bewegung spielerisch in den Alltag zu integrieren, die Impulskontrolle zu stärken und auch das Betteln um Futter zu reduzieren. Auf hundeschulen-finder.de findest du qualifizierte Hundeschulen in deiner Nähe, die dich und deinen Hund auf dem Weg zum gesunden Gewicht begleiten können.