Malteser-Erziehung: Den zarten Begleiter richtig trainieren und typische Verwöhn-Fallen vermeiden.
Der Malteser ist eine der ältesten Hunderassen der Welt – und eine der am häufigsten falsch erzogenen. Sein seidiges weißes Fell, seine großen dunklen Augen und seine zarte Statur verleiten viele Halter dazu, ihn wie ein Kuscheltier zu behandeln. Das Problem: Der Malteser ist ein richtiger Hund mit echten Bedürfnissen – und wer ihn nicht als solchen erzieht, bekommt schnell einen ängstlichen, bellfreudigen oder anhänglichen Begleiter, der sich in der Welt nicht sicher fühlt.
Der Malteser gehört zu den ältesten bekannten Hunderassen überhaupt. Bereits im alten Ägypten – um etwa 1225 v. Chr. – tauchen Darstellungen ähnlicher kleiner Hunde auf. Der Name leitet sich wahrscheinlich vom semitischen Wort "Malat" ab, das Hafen bedeutet: Kleine Begleithunde lebten damals in vielen Mittelmeerhäfen. In Mitteleuropa ist der Malteser seit etwa dem 16. Jahrhundert beliebt und war lange Zeit ein bevorzugter Hund des Adels.
Der Malteser wurde ausschließlich als Begleithund gezüchtet – nie als Jagd-, Hüte- oder Arbeitshund. Das prägt seinen Charakter bis heute:
Mit einer Schulterhöhe von nur 20–25 cm und einem Gewicht von meist unter 4 kg gehört der Malteser zu den kleinsten Rassen – und das ist zugleich die größte Quelle von Erziehungsfehlern.
Kleinen Hunden wird systematisch weniger zugetraut und weniger zugemutet. Weil sie keine körperliche Bedrohung darstellen, werden Verhaltensweisen toleriert, die bei einem großen Hund sofort angegangen würden. Ein Malteser, der knurrt, wenn er vom Sofa soll? "Niedlich." Ein Labrador in derselben Situation? Ein Problem, das gelöst werden muss.
Diese Doppelmoral schadet dem Malteser. Was als liebevoll gemeinte Nachsicht beginnt, wird für den Hund zur Quelle von Verwirrung und Unsicherheit. Klare Regeln, die konsequent von allen Haushaltsmitgliedern eingehalten werden, sind kein Widerspruch zu Zuneigung – sie sind eine Form von Respekt.
Das sogenannte "Kleinhund-Syndrom" – also übermäßiges Bellen, Schnappen oder aggressives Verhalten kleiner Hunde – entsteht fast nie aus der Rasse heraus. Es entsteht aus konsequenzlosem Halterverhalten, fehlendem Training und mangelnder Sozialisation.
Der Malteser auf dem Arm ist ein so vertrautes Bild, dass es normal wirkt. Aber wer seinen Malteser bei jeder Begegnung hochnimmt, verhindert genau das, was der Hund lernen muss: selbstständig mit der Welt klarkommen. Der Hund lernt nie, Stresssituationen zu bewältigen – er wird einfach herausgehoben.
Trage deinen Malteser in echten Gefahrensituationen – auf viel befahrenen Straßen, unter größeren Hunden ohne Kontrolle, auf gefährlichem Untergrund. Aber nicht als Reaktion auf alles, was ihm unbekannt ist.
Die wichtigste Phase der Sozialisation liegt zwischen der 3. und 16. Lebenswoche. Was in dieser Zeit versäumt wird, kann später zwar nachgeholt werden – aber mit erheblich mehr Aufwand. Sorge dafür, dass dein Malteser frühzeitig kennenlernt:
Ein nicht ausreichend sozialisierter Malteser neigt zu übermäßigem Bellen, Ängstlichkeit und defensiver Aggression.
Ein Malteser bemerkt sofort, wenn verschiedene Bezugspersonen unterschiedliche Regeln haben. Wenn er am Wochenende aufs Sofa darf, aber unter der Woche nicht, entsteht Verwirrung. Erziehung funktioniert nur, wenn alle im Haushalt an einem Strang ziehen.
Der Malteser ist feinfühlig und menschenorientiert – das macht ihn ideal für die Arbeit mit positiver Verstärkung. Erwünschtes Verhalten wird sofort belohnt: mit einem Leckerli, Lob oder Spiel. Unerwünschtes Verhalten wird konsequent ignoriert oder umgelenkt – nie bestraft.
Strafbasierte Methoden wirken beim Malteser besonders kontraproduktiv. Sie führen schnell zu Angst, Rückzug und einem nachhaltigen Vertrauensverlust.
Malteser haben eine gute Konzentrationsfähigkeit für ihre Größe – aber keine unbegrenzte. Trainingseinheiten von 5–10 Minuten sind deutlich effektiver als lange Drillsessions. Halte die Einheiten abwechslungsreich und ändere den Trainingsort gelegentlich, damit der Malteser gelernte Verhaltensweisen auch in neuen Umgebungen abruft.
Auch ein kleiner Hund muss an der Leine laufen können, ohne zu ziehen. Wer das beim Malteser als unwichtig abtut, weil "er so wenig wiegt", verpringt eine wichtige Chance: Leinenführigkeit ist auch eine Form sozialer Kompetenz und schützt den Hund in Alltagssituationen.
Geeignete Beschäftigungen für den Malteser:
Die Kniescheibenluxation (Patella-Luxation) ist eine der häufigsten orthopädischen Erkrankungen bei kleinen Hunden – und der Malteser ist besonders anfällig. Betroffene Hunde heben gelegentlich ein Hinterbein an oder hüpfen auffällig. Beim Training bedeutet das:
Malteser haben aufgrund ihres kleinen Kiefers sehr wenig Platz für ihre Zähne – Zahnsteinbildung, Entzündungen und frühzeitiger Zahnverlust sind typische Folgen. Das hat indirekte Auswirkungen auf das Training: Ein Hund mit Zahnschmerzen zeigt oft veränderte Reaktionen, wird gereizter oder verweigert Kommandos.
Reinige die Zähne deines Maltesers regelmäßig und gewöhne ihn von klein auf ans Handling im Maulbereich – das ist auch eine Erziehungsaufgabe.
Das lange Fell um die Augenpartie des Maltesers kann dazu beitragen, dass die Tränenflüssigkeit nicht richtig abfließt. Das führt zu den typischen bräunlichen Verfärbungen unter den Augen. Neben der regelmäßigen Reinigung ist es wichtig, die Haare rund um die Augen zu trimmen – ein Malteser, der gelernt hat, Handling ruhig zu tolerieren, macht diesen Pflegeschritt deutlich einfacher.
Nicht jede Hundeschule geht mit kleinen Rassen so um, wie es nötig wäre. Manche Trainer sind es gewohnt, mit mittelgroßen oder großen Hunden zu arbeiten, und unterschätzen, wie differenziert auch ein Malteser-Training sein muss. Achte bei der Wahl auf:
Ein Warnzeichen ist eine Schule, die kleine Hunde pauschal von bestimmten Übungen ausnimmt, weil sie "eh so klein sind" – oder umgekehrt, keine Rücksicht auf ihre spezifischen Gesundheitsrisiken nimmt.
Der Malteser ist kein Modehund und kein Wohnzimmerschmuck. Er ist ein intelligenter, lebhafter, lernwilliger Hund mit einer jahrtausendealten Geschichte als Begleiter – und er verdient eine Erziehung, die das widerspiegelt. Wer ihm klare Regeln gibt, ihn konsequent und liebevoll trainiert und seine gesundheitlichen Besonderheiten im Blick behält, wird mit einem selbstbewussten, ausgeglichenen und treuen Begleiter belohnt.
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