Was ein Tierverhaltensberater kostet, wie die Beratung abläuft und wann du einen aufsuchen solltest.
Dein Hund knurrt plötzlich Kinder an, bellt stundenlang wenn du weg bist oder friert bei jedem Fahrrad vor Angst ein — und normales Hundetraining hat bisher nichts gebracht. Dann ist ein Tierverhaltensberater die richtige Anlaufstelle. In diesem Ratgeber erfährst du, was das kostet, wie eine Beratung abläuft und woran du seriöse Fachleute erkennst.
Ein Hundetrainer hilft dabei, Signale aufzubauen und Alltagskommandos zu festigen — Sitz, Platz, Leinenführigkeit. Ein Tierverhaltensberater hingegen ist auf Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltensstörungen spezialisiert. Du solltest professionelle Hilfe holen, wenn dein Hund:
Wichtig: Kläre Verhaltensveränderungen immer zuerst beim Tierarzt ab. Schmerzen, Schilddrüsenprobleme oder neurologische Erkrankungen können identische Symptome auslösen.
Die Preise variieren je nach Qualifikation, Region und Umfang der Beratung erheblich. Das sind die typischen Richtwerte:
Die erste Sitzung ist die aufwendigste — der Berater erhebt eine ausführliche Anamnese, beobachtet das Tier und erarbeitet einen individuellen Therapieplan. Hier musst du mit 150–350 € rechnen, bei tierärztlichen Verhaltensspezialisten kann es auch mehr sein. Viele Anbieter verlangen vor dem Termin einen ausgefüllten Fragebogen, der bereits Stunden an Vorbereitung bedeutet.
Folge- und Trainingstermine sind günstiger, da der Planungsaufwand geringer ist. Übliche Preise:
Die Gesamtkosten einer vollständigen Verhaltenstherapie liegen häufig bei 400–1.000 €, je nach Schwere des Problems und Anzahl der benötigten Sitzungen.
Gesetzliche Krankenversicherungen erstatten die Kosten natürlich nicht — du bist ja Tierhalter, nicht Patient. Aber einige Hundekrankenversicherungen leisten durchaus einen Beitrag:
Prüfe die Bedingungen deiner Versicherung vor der ersten Buchung — manche fordern, dass die Beratung durch einen Tierarzt mit Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie erfolgt.
Die Berufsbezeichnungen „Tierverhaltensberater", „Hundepsychologe" und „Tierpsychologe" sind in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Theoretisch kann sich jeder so nennen. Achte deshalb auf folgende Qualifikationsmerkmale:
Ein Tierarzt mit der Zusatzbezeichnung Verhaltenstherapie hat eine mehrjährige Facharztweiterbildung abgeschlossen und bietet die höchste fachliche Absicherung. Diese Spezialisten können auch medikamentöse Unterstützung verschreiben — bei schweren Angststörungen mitunter sinnvoll.
Seit 2007 gibt es ein bundesweit anerkanntes Zertifikat „Hundeerzieher/in und Verhaltensberater/in IHK|BHV", das von der Tierärztekammer oder IHK vergeben wird. Es umfasst mindestens 500 Praktikumsstunden in zertifizierten Betrieben und eine externe Prüfung — ein gutes Qualitätsmerkmal.
Der Verband für Tierverhaltensberatung und -training (VdTT) listet geprüfte Tierpsychologen und Verhaltensberater auf seiner Website. Mitglieder müssen Qualifikationsnachweise erbringen und sich regelmäßig weiterbilden.
Frag immer direkt nach Ausbildungsunterlagen und Referenzen. Seriöse Berater teilen diese Informationen gerne.
Vor dem ersten Termin erhältst du in der Regel einen ausführlichen Anamnesebogen: Rasse, Alter, Herkunft, bisherige Ausbildung, Ernährung, Tagesablauf, konkrete Problembeschreibung. Manchmal werden auch Videoaufnahmen des Problemverhaltens erbeten.
Der Berater beobachtet deinen Hund in verschiedenen Situationen — allein, mit dir, auf Reize reagierend. Daraus leitet er eine Diagnose ab: Ist es echte Aggression oder Angst? Überforderung oder fehlendes Vertrauen? Der Termin dauert oft 90–120 Minuten.
Du bekommst einen schriftlichen Therapieplan mit konkreten Übungen, Alltagsanpassungen und Trainingszielen. Manchmal reichen wenige Änderungen im Management, manchmal ist eine längere Desensibilisierung nötig.
Bei komplexen Fällen folgen mehrere Trainingstermine, bei denen der Fortschritt geprüft und der Plan angepasst wird. Online-Beratungen eignen sich gut für Feedback-Gespräche zwischen den Präsenzterminen.
Viele erfahrene Berater kombinieren beide Rollen. Entscheidend ist, dass die Person das Problemverhalten versteht, nicht nur unterdrückt.
Ein Tierverhaltensberater kostet mehr als ein normales Hundetraining — aber bei ernsthaften Verhaltensproblemen ist die Investition in der Regel schnell gerechtfertigt. Plane für Erstberatung plus zwei bis vier Folgesitzungen 500–900 € ein und prüfe vorher, ob deine Tierversicherung einen Teil übernimmt. Am wichtigsten: Schau genau auf die Qualifikationen und vertraue deinem Bauchgefühl beim Erstkontakt.
Wenn du gleichzeitig nach einer guten Hundeschule in deiner Nähe suchst, die auch Verhaltensberatung anbietet, kannst du auf hundeschulen-finder.de gezielt nach Schulen mit diesem Schwerpunkt filtern.