In welchen Bundesländern ist der Hundeführerschein Pflicht? Was wird geprüft? Und wie bereitest du dich am besten vor?
Du hast einen Hund — oder planst, einen anzuschaffen — und hörst immer wieder den Begriff "Hundeführerschein"? Kein Wunder: Das Thema sorgt regelmäßig für Diskussionen, denn die Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland erheblich. Während du in manchen Ländern ganz ohne Nachweis auskommst, ist der Schein in anderen schlicht Pflicht. Dieser Ratgeber klärt auf — kompakt, klar und auf dem neuesten Stand.
Der Begriff "Hundeführerschein" ist in Deutschland kein einheitlich geschützter Begriff. Er bezeichnet je nach Anbieter und Bundesland unterschiedliche Nachweise, die belegen, dass du als Halter weißt, wie du verantwortungsvoll mit deinem Hund umgehst.
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Konzepte:
Hundeführerschein — Ein privatrechtliches Zertifikat, das von Verbänden wie dem BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater) oder dem VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) ausgestellt wird. Er umfasst in der Regel einen Theorieteil und einen Praxisteil mit dem eigenen Hund. Nicht in jedem Bundesland gesetzlich anerkannt.
Sachkundenachweis — Der Begriff, den Gesetze und Verordnungen meistens verwenden. Formal geregelt durch Landeshundegesetze oder Gefahrtierverordnungen. Wer diesen Nachweis erbringen muss, wo er abgelegt werden kann und was genau geprüft wird, regelt jedes Bundesland selbst.
In der Praxis werden beide Begriffe oft synonym verwendet. Wenn das Gesetz deines Bundeslandes einen "Sachkundenachweis" fordert, ist ein anerkannter Hundeführerschein häufig das, womit du diese Pflicht erfüllst — sofern der Prüfer und der Nachweis offiziell anerkannt sind.
Deutschland hat kein einheitliches Bundeshundegesetz. Stattdessen regeln 16 Bundesländer die Hundehaltung weitgehend eigenständig. Hier ist ein Überblick, was dich wo erwartet:
Niedersachsen ist das einzige Bundesland mit einer echten Pflicht für alle Ersthalter, unabhängig von Rasse oder Gewicht. Wer zum ersten Mal einen Hund anschafft, muss binnen eines Jahres nach Anmeldung des Hundes einen Sachkundenachweis vorlegen. Dieser umfasst einen Theorietest und eine praktische Prüfung. Anerkannte Prüfstellen sind unter anderem die Tierärztekammer Niedersachsen, der VDH und weitere vom Land zugelassene Organisationen.
Ausnahmen: Wer bereits früher einen Hund gehalten hat, ist nicht automatisch befreit — maßgeblich ist, ob du als Ersthalter im Sinne des Gesetzes giltst.
Hamburg hat bundesweit eine der strengsten Regelungen. Seit 2006 gilt: Jeder Hundehalter in Hamburg muss einen Sachkundenachweis erbringen. Die Hansestadt hat dazu ein umfangreiches Prüfungssystem aufgebaut. Der Nachweis ist beim zuständigen Bezirksamt zu hinterlegen.
Wichtig: In Hamburg wird unterschieden zwischen dem allgemeinen Sachkundenachweis und dem verschärften Nachweis für sogenannte "gefährliche Hunde" (dazu zählen Rassen wie American Staffordshire Terrier, Pitbull-Terrier und weitere). Für letztere gelten zusätzliche Auflagen.
In Berlin greift das Berliner Hundegesetz. Für Hunde über 40 cm Schulterhöhe oder über 20 kg Gewicht sowie für bestimmte als gefährlich eingestufte Rassen ist ein Sachkundenachweis Pflicht. Wer einen kleineren Hund hält, kommt ohne Nachweis aus.
Der Sachkundenachweis in Berlin muss bei einer anerkannten Stelle abgelegt werden. Die Senatsverwaltung führt eine Liste zugelassener Prüfer. Für als gefährlich eingestufte Hunde (z.B. American Staffordshire Terrier, Bullterrier) ist zusätzlich eine Erlaubnis der Ordnungsbehörde erforderlich.
NRW kennt eine zweistufige Regelung, die oft als "20/40-Regelung" bezeichnet wird:
Einzelne Kommunen in NRW können darüber hinaus eigene, strengere Regelungen erlassen. Es lohnt sich, die Satzung deiner Gemeinde zu prüfen.
Schleswig-Holstein kennt keinen flächendeckenden Pflichtnachweis für alle Halter. Für Hunde bestimmter Rassen, die als potentiell gefährlich eingestuft werden, ist ein Sachkundenachweis jedoch Voraussetzung für die Haltungserlaubnis. Die Liste der betroffenen Rassen umfasst u.a. American Staffordshire Terrier, Bullterrier und deren Kreuzungen.
Bayern verzichtet auf einen allgemeinen Pflicht-Sachkundenachweis. Das Bayerische Landesstraf- und Verordnungsgesetz (LStVG) regelt aber, wann Behörden im Einzelfall einen Nachweis verlangen können — etwa wenn ein Hund durch Beißen oder aggressives Verhalten auffällig geworden ist. Für sogenannte Kampfhunde (Kategorie 1 nach Bayerischer Verordnung) gilt ein faktisches Haltungsverbot.
In Baden-Württemberg gibt es keinen Pflicht-Sachkundenachweis für reguläre Hunde. Das Polizeigesetz gibt Behörden aber die Möglichkeit, nach Vorfällen Auflagen zu erteilen, die auch einen Nachweis umfassen können. Viele Halter legen den Nachweis freiwillig ab, um im Ernstfall besser aufgestellt zu sein.
Diese ostdeutschen Länder haben teils eigene Hundegesetze, die für bestimmte Rassen oder nach Vorfällen Nachweise verlangen. Ein allgemeiner Pflicht-Sachkundenachweis für alle Halter existiert hier nicht. Wer in diesen Ländern einen als gefährlich gelisteten Hund halten möchte, braucht in der Regel eine Einzelerlaubnis der zuständigen Behörde, wofür häufig ein Sachkundenachweis verlangt wird.
Auch hier gilt: Keine flächendeckende Pflicht, aber Auflagen für bestimmte Rassen und nach Vorfällen. Im Zweifel immer bei der zuständigen Gemeindeverwaltung oder dem Ordnungsamt nachfragen — kommunale Sonderregeln sind in Deutschland häufig.
Grundsatz für alle Bundesländer: Selbst wo kein Nachweis Pflicht ist, können Behörden nach einem Beißvorfall oder bei konkreter Gefährdung nachträglich einen Sachkundenachweis verlangen. Wer ihn bereits hat, ist auf der sicheren Seite.
Der Prüfungsaufbau variiert je nach Anbieter, folgt aber in der Regel einem etablierten Muster, das sich an den Empfehlungen des VDH und des BHV orientiert.
Die Theorieprüfung findet meist schriftlich statt und dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Geprüfte Themenbereiche sind:
Hundeverhalten und Kommunikation
Haltung und Pflege
Rechtliche Grundlagen
Unfallprävention
Der Praxisteil findet mit dem eigenen Hund statt und dauert je nach Prüfer 20–45 Minuten. Geprüft werden:
Grundgehorsam
Alltagssituationen
Halter-Hund-Interaktion
Wichtig: Es geht nicht darum, einen dressierten Zirkushund zu präsentieren. Prüfer achten auf das Miteinander — ob du deinen Hund lesen kannst, angemessen reagierst und ob euer Team sicher im Alltag funktioniert.
In Deutschland gibt es mehrere anerkannte Prüfinstitutionen. Je nach Bundesland werden unterschiedliche Stellen offiziell anerkannt:
BHV (Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater e.V.) — Einer der bekanntesten Anbieter. Der BHV-Hundeführerschein ist in mehreren Bundesländern anerkannt und hat klare Prüfungsstandards.
VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen) — Dachverband der deutschen Hundezuchtvereine. VDH-Prüfer sind in vielen Bundesländern als Prüfstelle zugelassen.
IBH (Interessengemeinschaft der Hundehalter und Berufserzieher) — Weiterer Verband mit eigenen Prüfern und anerkanntem Nachweis.
Tierärztekammern — In manchen Bundesländern (z.B. Niedersachsen) führen Tierärzte und Veterinäre Teile der Prüfung durch oder sind als Prüfer zugelassen.
Kommunale Behörden und Veterinärämter — Vor allem für behördlich verlangte Sachkundenachweise nach Vorfällen sind oft Veterinärämter zuständige Prüfstellen.
Anerkannte Hundeschulen — Manche Hundeschulen haben selbst Prüflizenzen oder arbeiten eng mit Prüfern zusammen. Frag gezielt nach, ob eine Schule zur Prüfung zulassen kann oder ob sie dir einen zugelassenen Prüfer vermittelt.
Bevor du eine Prüfung buchst, prüfe unbedingt: Ist der Nachweis in deinem Bundesland für deinen konkreten Zweck anerkannt? Die Anbieter können dir auf Anfrage eine Liste der Bundesländer nennen, in denen ihr Schein gilt.
Für die Theorieprüfung reicht in vielen Fällen fundiertes Selbststudium. Gute Quellen sind:
Plane für die Theorie mindestens 4–6 Wochen Vorbereitung ein, wenn du dich von Grund auf neu mit dem Thema beschäftigst.
Für den Praxisteil braucht ihr als Team regelmäßiges Training — idealerweise in einem strukturierten Kurs. Die meisten Hundeschulen bieten spezielle Hundeführerschein-Vorbereitungskurse an, die 8–12 Einheiten umfassen und beide Prüfungsteile abdecken.
Worauf solltest du beim Kurs achten?
Auch wenn du bereits mit deinem Hund arbeitest: Nimm die Probeprüfung ernst. Alltagssituationen, die du entspannt meisterst, können in der Prüfungssituation durch Aufregung eskalieren — Training unter realistischen Bedingungen ist entscheidend.
Such dir frühzeitig einen zugelassenen Prüfer. In manchen Regionen gibt es Wartezeiten von mehreren Wochen. Viele Hundeschulen organisieren Prüfungstermine für ihre Kursteilnehmer — frag direkt bei der Anmeldung nach.
Mit einem kursbegleitenden Vorbereitungsprogramm und einem Hund, der bereits Grundkenntnisse hat, rechne mit 2–3 Monaten von der ersten Einheit bis zur Prüfung. Wer von Null anfängt oder mit einem schwierigeren Hund arbeitet, sollte eher 4–6 Monate einplanen.
Die Kosten setzen sich aus mehreren Posten zusammen:
Vorbereitungskurs (8–12 Einheiten)
Theoretische Prüfung
Praktische Prüfung
Gesamtkosten (typischer Rahmen)
Manche Hundehalterhaftpflichtversicherungen übernehmen einen Teil der Kurskosten oder gewähren Rabatte, wenn du einen Sachkundenachweis vorlegst. Es lohnt sich, beim Anbieter nachzufragen.
Das hängt — wie so oft — vom Bundesland ab.
In Niedersachsen drohen bei Verstoß gegen die Sachkundenachweispflicht Bußgelder von bis zu 1.000 €. Zudem kann das Ordnungsamt die Haltungsuntersagung aussprechen, wenn der Nachweis dauerhaft ausbleibt.
In Hamburg ist das Halten ohne Sachkundenachweis eine Ordnungswidrigkeit. Bei Kontrollen — z.B. durch den Bezirklichen Ordnungsdienst — kann ein Verwarngeld oder Bußgeld verhängt werden.
In Bundesländern, wo der Nachweis nur für bestimmte Rassen oder nach Vorfällen Pflicht ist, droht bei Zuwiderhandlung neben dem Bußgeld auch die Untersagung der Hundehaltung und im schlimmsten Fall die Wegnahme des Tiers.
Generell gilt: Wer nach einem Beißvorfall keinen Sachkundenachweis vorweisen kann, hat deutlich schlechtere Karten — sowohl vor der Behörde als auch vor Gericht.
Muss ich den Hundeführerschein neu machen, wenn ich umziehe?
Nicht zwingend. Hast du einen anerkannten Sachkundenachweis aus einem anderen Bundesland, wird er häufig akzeptiert — aber nicht immer. Informiere dich beim Ordnungsamt oder der zuständigen Behörde deiner neuen Kommune, ob dein Nachweis dort gilt.
Gilt der Nachweis für alle Hunde, die ich künftig halte?
In den meisten Bundesländern: ja. Der Sachkundenachweis ist personengebunden, nicht hundebezogen. Du musst ihn also nicht für jeden neuen Hund erneut ablegen — es sei denn, es ändert sich die Rechtsgrundlage (z.B. du zieht in ein anderes Bundesland mit anderen Anforderungen).
Kann ich den Hundeführerschein ohne eigenen Hund ablegen?
Den Theorieteil in der Regel schon. Für den Praxisteil brauchst du einen Hund. Einige Prüfer stellen Hunde zur Verfügung oder erlauben das Prüfen mit einem geliehenen Hund — das ist aber die Ausnahme. Klär das vorab mit dem Prüfer.
Ist der Hundeführerschein unbegrenzt gültig?
Ja, in der Regel. Es gibt keine gesetzlich vorgeschriebene Verlängerungspflicht. Einige Anbieter empfehlen jedoch eine freiwillige Auffrischung nach einigen Jahren, da sich Rechtslage und Erkenntnisse zur Hundehaltung weiterentwickeln.
Hilft der Hundeführerschein bei der Versicherung?
Ja. Viele Hundehalterhaftpflicht-Anbieter gewähren Rabatte von 5–15 %, wenn du einen anerkannten Sachkundenachweis vorlegst. Bei manchen Versicherungen ist er für bestimmte Rassen sogar Voraussetzung für den Abschluss einer Police.
Mein Hund ist sehr gut erzogen — brauche ich wirklich einen Kurs?
Der Kurs dient nicht nur dem Hund, sondern vor allem dir. Viele Halter gut erzogener Hunde entdecken im Vorbereitungskurs blinde Flecken — sei es bei der Körpersprache des Hundes, bei Rechtsfragen oder beim Verhalten in Stresssituationen. Die Vorbereitung lohnt sich unabhängig vom Trainingsstand deines Hundes.
Wo finde ich eine Hundeschule, die auf den Hundeführerschein vorbereitet?
Nutze die Suche auf hundeschule-finder.de, um qualifizierte Hundeschulen in deiner Nähe zu finden. Filtere nach deinem Standort und frage beim ersten Kontakt gezielt, ob die Schule Vorbereitungskurse anbietet und welche Prüfungsstellen angebunden sind.
Der Hundeführerschein ist in manchen Bundesländern Pflicht, in anderen Kür — aber in jedem Fall sinnvoll. Er belegt, dass du dich ernsthaft mit deiner Verantwortung als Halter auseinandergesetzt hast. Er hilft dir, deinen Hund besser zu verstehen, Alltagssituationen sicherer zu meistern und im Fall der Fälle rechtlich besser dazustehen.
Wenn du noch keine Hundeschule für die Vorbereitung gefunden hast, schau auf unserer Übersichtsseite nach Schulen in deiner Region — viele bieten speziell auf die Prüfung ausgerichtete Kurse an.