Wo der Sachkundenachweis Pflicht ist, was die Prüfung beinhaltet und wie du dich vorbereitest.
Du möchtest einen Hund anschaffen — oder hast gerade einen bekommen — und hörst plötzlich überall den Begriff „Sachkundenachweis"? Kein Wunder: In immer mehr Bundesländern wird er Pflicht, und selbst dort, wo er (noch) nicht vorgeschrieben ist, kann er dir und deinem Hund das Leben deutlich leichter machen. Hier bekommst du alle Infos kompakt.
Der Sachkundenachweis (manchmal auch „Hundeführerschein" genannt, obwohl das kein offizieller Begriff ist) ist ein Nachweis dafür, dass du als Hundehalter weißt, was du tust. Du zeigst dabei, dass du die Grundlagen der Hundehaltung, -erziehung und des Tierschutzrechts kennst — und dass du deinen Hund in Alltagssituationen sicher führen kannst.
Er ist nicht mit dem VDH-Hundeführerschein oder dem BHV-Hundeführerschein identisch, auch wenn sich diese ähnlich anfühlen. Der gesetzlich geforderte Sachkundenachweis ist immer an das jeweilige Landesrecht geknüpft.
Deutschland macht es einem nicht leicht: Es gibt kein einheitliches Bundesgesetz. Jedes Bundesland regelt das in seinem eigenen Hundegesetz.
In den meisten übrigen Bundesländern ist der Sachkundenachweis (bisher) nur für sogenannte Listenhunde oder auffällig gewordene Hunde vorgeschrieben, unter anderem in:
Listenhunde sind Rassen, die von den Bundesländern als potenziell gefährlich eingestuft werden. Dazu zählen je nach Bundesland zum Beispiel American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull, Rottweiler oder Kangal. Welche Rassen auf der Liste stehen, unterscheidet sich teils erheblich — prüfe das unbedingt für dein Bundesland.
Wer eine einschlägige Ausbildung nachweisen kann — etwa als Tierarzt, Tierpfleger oder geprüfter Hundetrainer — ist in der Regel vom Sachkundenachweis befreit. Auch wer bereits mehrere Jahre nachweislich Hunde gehalten hat, kann in manchen Ländern Ausnahmen beantragen.
Die Prüfung gliedert sich in zwei Teile: Theorie und Praxis.
Der Theorieteil ist meist ein Multiple-Choice-Test mit rund 30–35 Fragen. Um zu bestehen, musst du in der Regel mindestens 80 Prozent der möglichen Punkte erreichen. Die Themen umfassen:
Niedersachsen veröffentlicht seinen Fragenkatalog online — dort kannst du auch als Halter aus anderen Bundesländern gut üben, denn die Inhalte sind bundesweit ähnlich.
Im Praxisteil zeigst du gemeinsam mit deinem Hund, dass ihr als Team funktioniert. Bewertet werden:
Die Prüfung findet bei einem anerkannten Prüfer statt — nicht in der Hundeschule selbst. Wer die Prüfung abnehmen darf, ist je nach Bundesland genau geregelt.
Anerkannte Prüfer sind je nach Bundesland unter anderem:
In Niedersachsen werden alle anerkannten Prüfer beim LAVES (Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) gelistet. Für dein Bundesland findest du die zuständige Behörde über das jeweilige Landesministerium oder dein Veterinäramt.
Die Kosten hängen davon ab, ob du nur die Prüfung ablegen oder vorher einen Kurs besuchen möchtest:
Insgesamt kannst du mit 250–450 Euro für Kurs und Prüfung rechnen. Wer sehr gut vorbereitet ist und ohne Kurs antritt, zahlt oft deutlich weniger — rund 90–130 Euro für beide Prüfungsteile zusammen.
Viele Bundesländer stellen ihren Fragenkatalog kostenlos online zur Verfügung. Außerdem gibt es spezialisierte Lernplattformen mit Übungstest, die den offiziellen Fragenkatalog abbilden. Plane mindestens zwei bis vier Wochen ein, um die Inhalte sicher zu beherrschen.
Für den praktischen Teil ist eine gute Hundeschule Gold wert. Viele Schulen bieten gezielte Vorbereitungskurse auf den Sachkundenachweis an — dort lernst du nicht nur die richtigen Kommandos, sondern auch, wie du dich in der Prüfungssituation richtig verhältst. Besonders wichtig: Die Prüfung bewertet dich als Halter, nicht nur den Hund.
Wer in Niedersachsen lebt, sollte die Theorie vor dem Hundekauf ablegen — das ist dort gesetzliche Pflicht. In anderen Bundesländern lohnt es sich trotzdem, frühzeitig zu beginnen: Ein gut sozialisierter und erzogener Hund schlägt sich in der Praxis deutlich besser.
Wer in einem Bundesland mit Nachweispflicht keinen Sachkundenachweis vorlegen kann, riskiert ein Bußgeld — in Niedersachsen können das bis zu 10.000 Euro sein. In manchen Fällen darf der Hund dann nur noch angeleint und mit Maulkorb in der Öffentlichkeit geführt werden.
Der Sachkundenachweis ist kein bürokratisches Übel, sondern eine sinnvolle Grundlage für eine verantwortungsvolle Hundehaltung. Er hilft dir, deinen Hund besser zu verstehen — und das macht euer Zusammenleben nachweislich entspannter. Ob Pflicht oder freiwillig: Die Vorbereitung lohnt sich in jedem Fall.
Wenn du eine Hundeschule suchst, die dich gezielt auf den Sachkundenachweis vorbereitet, findest du auf hundeschulen-finder.de geprüfte Schulen in deiner Nähe: https://hundeschulen-finder.de/hundeschulen