So baust du die Kommandos Aus und Nein zuverlässig auf und nutzt sie im Alltag richtig.
„Aus!" und „Nein!" gehören zu den meistgenutzten Wörtern im Hundehalter-Alltag – und gleichzeitig zu den am häufigsten falsch eingesetzten. Dabei sind es zwei grundverschiedene Signale mit unterschiedlichen Bedeutungen. Wer den Unterschied kennt und beide Kommandos sauber aufbaut, hat deutlich mehr Kontrolle in kniffligen Situationen und schont nebenbei die Nerven – sowohl die eigenen als auch die des Hundes.
Der erste Schritt ist, die beiden Signale klar voneinander zu trennen.
„Aus" bedeutet: Lass das los, was du gerade im Maul hast. Es ist ein aktives Freigeben eines Gegenstands – also ein Verhaltensabbruch auf der körperlichen Ebene. Dein Hund hat den Schuh, den Socken oder das Spielzeug im Maul und soll ihn fallenlassen.
„Nein" – oder besser gesagt ein positiver Unterbrecher (dazu gleich mehr) – bedeutet: Hör auf mit dem, was du gerade tust. Es geht nicht ums Loslassen, sondern darum, ein Verhalten zu stoppen, bevor oder während es passiert. Dein Hund schnappt nach dem Müll, springt auf den Gast zu oder will den Igel anmachen.
Diese Unterscheidung klingt akademisch, macht aber im Training einen großen Unterschied. Wer beide Signale vermischt, verwirrt seinen Hund und bekommt am Ende weder das eine noch das andere zuverlässig.
Die meisten Menschen rufen „Nein!" reflexartig und laut, wenn ihr Hund etwas Unerwünschtes tut. Das Problem: Für den Hund hat dieses Wort keine gelernte Bedeutung. Er weiß nicht, was er stattdessen tun soll. Schlimmstenfalls lernt er, dass „Nein!" einfach eine Geräuschkulisse ist, die manchmal passiert – und ignoriert es.
Hinzu kommt, dass Aufregung und Lautstärke beim Menschen den Hund oft zusätzlich aufwühlen oder im schlimmsten Fall Angst auslösen. Ein ängstlicher oder erregter Hund ist aber deutlich schlechter lernfähig.
Das bedeutet nicht, dass du deinen Hund nie stoppen kannst. Es bedeutet, dass du ein klares, konditioniertes Signal brauchst – und das trainierst du ruhig und gezielt, nicht in der Hitze des Moments.
Statt „Nein" empfehlen erfahrene Trainer einen sogenannten positiven Unterbrecher – ein Signal, das deinen Hund unterbricht und gleichzeitig zu dir umlenkt. Klassische Beispiele:
Der Ton ist entscheidend: nicht schrill, nicht schimpfend – eher überraschend und leicht aufmunternd. Das Signal soll deinen Hund aus der Situation herauslocken, nicht einschüchtern.
Bevor du ihn im Alltag nutzen kannst, muss das Signal erst eine Bedeutung bekommen.
Erst wenn das Signal in ruhiger Umgebung absolut zuverlässig funktioniert, setzt du es in echten Alltagssituationen ein.
Das „Aus"-Kommando trainierst du am einfachsten beim gemeinsamen Spielen.
Viele Hunde halten Gegenstände fest, weil sie gelernt haben, dass das Wegreißen folgt. Fange deshalb mit dem Prinzip Tausch an: Halte ein zweites, mindestens gleichwertiges Leckerli oder Spielzeug bereit.
Wichtig: Sage „Aus" erst, wenn der Hund wirklich loslässt – nicht vorher als Aufforderung. So lernt er, das Wort mit der Handlung zu verbinden, nicht mit deiner Erwartung.
Nach vielen Wiederholungen erkennst du, dass dein Hund beim Anblick des Tausch-Gegenstands schon loslässt. Jetzt kannst du das Wort eine Sekunde früher sagen.
Langfristiges Ziel ist, dass dein Hund auf „Aus" loslässt, auch ohne dass sofort etwas anderes angeboten wird. Das erreichst du, indem du die Belohnung zeitlich verzögerst und sie nicht immer aus derselben Richtung kommt.
Letzteres ist besonders wichtig: Wenn „Aus" immer bedeutet, dass der tolle Gegenstand weg ist, wird dein Hund den Gegenstand in Zukunft lieber festhalten. Mache das Loslassen zu einem positiven Ereignis, das manchmal auch das Zurückbekommen bedeutet.
Das Wort wird zu früh eingesetzt: Wenn du „Aus" rufst, bevor der Hund die Bedeutung kennt, wird es schnell zur bedeutungslosen Kulisse. Erst konditionieren, dann im Alltag einsetzen.
Der Hund wird gezerrt oder der Gegenstand weggezogen: Das löst den Rückzugsreflex aus – der Hund hält fester. Immer mit Tausch oder Leckerli arbeiten, nie mit Krafteinsatz.
Zu wenig Wiederholungen in ruhiger Umgebung: Beide Signale, „Aus" und der Unterbrecher, müssen hunderte Male in Ruhe geübt werden, bevor sie unter Ablenkung funktionieren. Geduld ist hier keine Tugend, sondern eine Notwendigkeit.
Inkonsistenz: Manchmal gilt „Aus", manchmal darf der Hund den Gegenstand behalten – ohne klare Regel. Der Hund braucht Vorhersehbarkeit, um ein Signal zuverlässig zu lernen.
Bestrafung nach dem Loslassen: Wenn ein Hund „Aus" macht und dann geschimpft wird (weil er etwas kaputt gemacht hat), lernt er: Loslassen = schlechte Erfahrung. Das schadet dem Training nachhaltig.
Kein Kommando ist wirklich gelernt, wenn es nur auf dem Teppich im Wohnzimmer klappt. Generalisierung bedeutet, das Signal in immer neuen Kontexten zu festigen.
Für „Aus":
Für den positiven Unterbrecher:
Steige immer dann einen Schritt zurück, wenn dein Hund in einer neuen Situation nicht reagiert. Das ist kein Scheitern, sondern normaler Lernprozess.
Wenn dein Hund mitten in einer gefährlichen Situation ist – er hat etwas Giftiges aufgenommen oder rennt auf die Straße zu – bringt kein schlecht trainiertes „Nein!" etwas. Dann zählt nur ein zuverlässig konditionierter Rückruf oder eben der Unterbrecher, der tatsächlich geübt wurde.
Das ist der Hauptgrund, warum das Training in Ruhe so wichtig ist: Die kritischen Momente kommen selten angekündigt. Das Signal, das dann funktioniert, ist immer das, das hundertfach in ruhigen Situationen geübt wurde – nicht das, das man nur aus Verzweiflung herausruft.
Gerade beim Aufbau von Abbruchkommandos schleichen sich schnell Fehler ein, die das Training langfristig erschweren. Eine qualifizierte Trainerin oder ein erfahrener Trainer sieht sofort, ob das Timing stimmt, der Tausch gut funktioniert oder ob der Hund schon überfordert ist.
Auf hundeschulen-finder.de findest du Hundeschulen in deiner Nähe, die mit positiven, belohnungsbasierten Methoden arbeiten – ideal, um „Aus" und den positiven Unterbrecher gemeinsam mit Fachunterstützung aufzubauen und sicher in den Alltag zu übertragen.