Drei bewährte Methoden, um deinem Hund das Hochspringen bei der Begrüßung abzugewöhnen.
Dein Hund springt bei der Begrüßung hoch, reißt Gästen die Kleidung ein oder wirft Kinder um – du kennst das Problem. Was beim Welpen noch niedlich wirkt, wird mit jedem Kilogramm, das der Hund zunimmt, zur echten Herausforderung. Die gute Nachricht: Anspringen lässt sich zuverlässig abtrainieren. Vorausgesetzt, du arbeitest konsequent und verstehst, warum dein Hund das überhaupt tut.
Hochspringen ist für Hunde zunächst ein ganz natürliches Verhalten. Welpen lecken ranghöheren Tieren ins Gesicht, um Zuwendung zu erbitten – da Gesichter weit oben sind, springen sie hoch. Dieser Reflex bleibt, und weil er in der Vergangenheit fast immer belohnt wurde (durch Streicheln, Lachen oder auch nur durch Aufmerksamkeit), hat er sich gefestigt.
Das ist der entscheidende Punkt: Dein Hund springt nicht, weil er frech ist oder dich dominieren will. Er springt, weil es für ihn bis jetzt funktioniert hat. Wer das versteht, kann das Verhalten auch gezielt verändern.
Es gibt mehrere Wege, Hunden das Anspringen abzugewöhnen. Drei davon haben sich in der Praxis besonders bewährt. Welche am besten zu dir und deinem Hund passt, hängt vom Temperament des Hundes und deiner eigenen Konsequenz ab.
Das Grundprinzip ist simpel: Was keine Reaktion erzeugt, lohnt sich nicht. Wenn dein Hund springt und du konsequent jede Reaktion verweigerst, verliert das Verhalten seinen Sinn.
So geht es:
Wichtig: Auch negative Aufmerksamkeit ist Aufmerksamkeit. „Nein sagen", Knie hochziehen oder wegschubsen – all das bestätigt dem Hund, dass Springen eine Reaktion erzeugt. Absolute Stille und Körperabwendung sind die einzige Botschaft, die funktioniert.
Wo diese Methode besonders gut wirkt: Bei Hunden, die vor allem auf bestimmte Personen anspringen. Alle Beteiligten müssen das Verhalten aber gleich handhaben – ein einziger, der das Hochspringen mit Streicheln belohnt, reicht, um den Fortschritt zu torpedieren.
Statt nur zu bestrafen, was du nicht willst, trainierst du aktiv, was du dir wünschst. Das Ziel: Dein Hund lernt, dass Begrüßung mit vier Pfoten auf dem Boden die einzige Strategie ist, die funktioniert.
So läuft das Training ab:
Nach und nach lernt der Hund: Gesprungen sein = Ende der Interaktion. Vier Pfoten unten = Aufmerksamkeit und Belohnung.
Tipp für den Alltag: Übe diese Situation absichtlich mehrfach täglich, in kurzen Einheiten. Geh kurz aus dem Zimmer, komm wieder rein – dein Hund bekommt so viele Wiederholungen und lernt schneller.
Diese Methode eignet sich besonders für große, schwere Hunde oder für Situationen, in denen schnelles Reagieren nötig ist – zum Beispiel wenn Gäste kommen.
Sobald der Hund ansetzt zu springen:
Das Ausweichen verhindert, dass der Hund seinen Sprung überhaupt erfolgreich abschließen kann. Gleichzeitig fließt die überschüssige Energie in eine erlaubte Verhaltensweise.
Kombination empfohlen: Methode 3 wirkt am besten in Kombination mit Methode 2. Das Ausweichen ist die kurzfristige Lösung für kritische Momente – das Aufbauen des Bodenverhaltens ist das langfristige Ziel.
Inkonsequenz: Der häufigste Grund, warum das Training nicht vorankommt. Manchmal wird das Springen begrüßt, manchmal nicht – für den Hund ist das frustrierend und verwirrend. Klar definierte Regeln, die alle im Haushalt kennen und einhalten, sind nicht optional.
Bestrafung im falschen Moment: Wer den Hund erst hochspringen lässt und dann schimpft, schimpft zu spät. Der Hund verknüpft die Strafe nicht zuverlässig mit dem Sprung. Das Eingreifen muss in der Sekunde des Ansetzens passieren – oder gar nicht.
Den Hund zu aufgeregt begrüßen: Wer mit hoher Stimme und großen Gesten nach Hause kommt, signalisiert dem Hund: Jetzt ist Aufregungszeit. Ruhige Begrüßungen senken die Grundaufregung und machen das Training deutlich einfacher.
Zu wenig Übungswiederholungen in ruhiger Umgebung: Das neue Verhalten muss erst in einfachen Situationen verankert werden, bevor es in der echten Begrüßungssituation klappt. Wer nur wartet, bis der Gast klingelt, hat zu wenig geübt.
Gäste nicht einbeziehen: Das Springen bei Gästen ist oft das hartnäckigste Problem. Gäste müssen über das Protokoll informiert sein – am besten vorher kurz erklärt bekommen, was zu tun ist, wenn der Hund springt.
Das hängt stark davon ab, wie lange das Springen bereits erfolgreich war. Ein Welpe, bei dem das Verhalten neu ist, lernt in wenigen Wochen um. Bei einem älteren Hund, der jahrelang Belohnungen für das Anspringen bekommen hat, kann es länger dauern.
Realistische Erwartungen:
Rückschritte – zum Beispiel nach einem Besuch, der das Springen wieder belohnt hat – sind normal. Kurz zurück zur Basics-Übung, und es geht weiter.
Manche Hunde sind so konditioniert oder so impulsiv, dass das Abtrainieren allein nur langsam vorangeht. Wenn du das Gefühl hast, auf der Stelle zu treten, lohnt sich der Gang zu einer erfahrenen Hundetrainerin oder einem qualifizierten Trainer.
Auf hundeschulen-finder.de findest du Hundeschulen in ganz Deutschland, die mit positiven, belohnungsbasierten Methoden arbeiten. Einfach nach Ort suchen und eine Schule in der Nähe finden – viele bieten auch Einzelstunden an, die sich gezielt für Themen wie Anspringen eignen.
Anspringen abzutrainieren erfordert keine harten Maßnahmen, sondern Klarheit, Geduld und Konsequenz. Mit der richtigen Methode und dem nötigen Durchhaltevermögen klappt es bei fast jedem Hund.