So trainierst du das Bei-Fuß-Gehen korrekt — von der Grundübung bis zum sicheren Kommando.
„Bei Fuß" klingt simpel — und doch ist es eines der anspruchsvollsten Kommandos im Hundetraining. Es geht nicht darum, dass dein Hund irgendwie neben dir herläuft. Es geht um eine präzise Position, die dein Hund auf Kommando einnimmt und hält. Richtig trainiert ist es im Alltag extrem nützlich: an belebten Straßen, beim Überholen anderer Hunde, im Gedränge oder auf Hundeprüfungen.
Bevor wir ins Training einsteigen, müssen wir diese beiden Dinge klar trennen. Viele Hundehalter verwechseln sie — und das sorgt für Verwirrung beim Hund.
Lockere Leine bedeutet: Dein Hund darf neben dir, vor dir oder leicht hinter dir gehen, solange die Leine nicht straff wird. Er darf schnüffeln, seinen Rhythmus finden und die Welt wahrnehmen. Das ist der Modus für den entspannten Alltagsspaziergang.
Bei Fuß bedeutet: Dein Hund läuft dicht an deiner linken Seite, sein Schulterblatt auf Höhe deines Oberschenkels, der Kopf leicht nach oben zu dir gewandt. Er hält diese Position aktiv und wartet auf dein nächstes Signal. Das ist ein Kommando — kein Dauerzustand.
Der Fehler, den viele machen: Sie verlangen den ganzen Spaziergang über „Bei Fuß" oder trainieren es nie wirklich gezielt. Beides führt nicht zum Ziel. Dein Hund braucht Klarheit: Jetzt ist Fußarbeit-Modus, jetzt ist Entspannungsmodus.
„Bei Fuß" hat eine klare Definition. Dein Hund steht, sitzt oder geht links neben dir:
Manche Trainingsrichtungen arbeiten auch mit rechts-seitig. International (und bei den meisten Hundeprüfungen in Deutschland) ist links die Standardseite. Such dir eine Seite aus und bleib dabei.
Bevor dein Hund „bei Fuß" laufen kann, muss er verstehen, dass der Platz an deiner linken Seite der beste Ort der Welt ist.
So gehst du vor:
Noch kein Kommandowort in dieser Phase. Erst wenn die Position sitzt, kommt das Wort dazu.
Wenn dein Hund die Ausgangsposition kennt, beginnt das eigentliche Laufen. Fang mit wenigen Schritten an.
Wichtig: Markiere und belohne, während dein Hund die Position hält — nicht wenn er schon wieder weggeschaut hat. Timing ist alles.
Sobald dein Hund 8 von 10 Mal korrekt bei dir läuft, kommt das Wort „Bei Fuß" (oder „Fuß") dazu.
Sage das Kommando nie mehrfach hintereinander. Einmal klar, dann warten. Wer „Fuß, Fuß, FUSS!" ruft, trainiert seinen Hund darauf, erst beim dritten Mal zu reagieren.
Der Marker — ob Clicker oder das gesprochene Wort „Ja!" — ist dein präzises Kommunikationsmittel. Er sagt deinem Hund auf die Millisekunde genau: Genau das, was du gerade tust, ist richtig.
Bei der Fußarbeit markierst du:
Was du nicht markierst: die Annäherung an die Position, das Suchen, das Hüpfen. Nur die fertige, korrekte Aktion verdient den Marker.
Wenn du einen Clicker nutzt, halte ihn in der rechten Hand — deine linke ist für Belohnungen an der richtigen Position zuständig. Das verhindert Verwirrung und hält die Mechanik sauber.
Viele Hunde können kurz bei Fuß gehen, fallen dann aber in alte Muster. Dauer und Distanz müssen separat trainiert werden.
Dauer: Steigere die Schritte zwischen den Belohnungen ganz langsam. Erst 5 Schritte, dann 10, dann 20. Nicht zu schnell — dein Hund soll Erfolge erleben, keine Frustration.
Distanz und Richtungswechsel: Baue Kurven, Stopps und Kehrtwendungen ein. Das macht die Fußarbeit dynamisch und hält deinen Hund aufmerksam. Ein Hund, der nur geradeaus läuft, lernt nicht wirklich zu folgen — er marschiert parallel zu dir.
Lösewort nicht vergessen: Gib deinem Hund ein klares Signal, dass die Fußarbeit vorbei ist — zum Beispiel „Okay" oder „Frei". Dann darf er schnüffeln, entspannen, seiner Nase folgen. Das Lösewort ist genauso wichtig wie das Kommando.
Der Hund läuft schräg oder dreht sich zum Halter: Die Belohnung wird zu weit vorne oder mittig gegeben. Leckerli immer links auf Oberschenkelhöhe — der Hund richtet sich daran aus.
Der Hund fällt nach wenigen Schritten aus der Position: Die Steigerung war zu schnell. Geh zurück auf weniger Schritte, erhöhe die Belohnungsrate und steigere langsamer.
Der Hund springt hoch: Das Leckerli wird zu hoch gehalten. Belohnung auf Höhe deines Oberschenkels oder der Hüfte, nicht auf Brusthöhe oder darüber.
Der Hund reagiert draußen nicht mehr auf das Kommando: Der Schwierigkeitsgrad wurde zu früh erhöht. Reize wie andere Hunde, Radfahrer oder Kinder sind starke Konkurrenz zur Aufmerksamkeit. Übertrage das Kommando in neuen Umgebungen immer mit niedrigerer Ablenkung und höherer Belohnungsrate.
Der Hund schaut nicht nach oben: Kein Augenkontakt ist ein Zeichen dafür, dass die mentale Verbindung noch nicht stark genug ist. Übe Blickkontakt separat als eigenständige Übung, bevor du ihn in die Fußarbeit integrierst.
„Bei Fuß" ist kein Dauermodus, sondern ein Werkzeug. Setze es gezielt ein:
Ein Hund, der stundenlang auf Abruf bei Fuß gehen muss, ist mental erschöpft — und das ist nicht fair. Der Wechsel zwischen Fußarbeit und Freiheit ist Teil einer guten Beziehung.
Wie jedes Kommando muss „Bei Fuß" in immer neuen Umgebungen und unter Ablenkung trainiert werden.
In jeder neuen Umgebung einen Schritt zurück: mehr Belohnungen, weniger Anforderungen. Dein Hund lernt nicht ein Kommando — er lernt ein Kommando und dass es in jedem Kontext gilt.
„Bei Fuß" ist eines der Kommandos, bei dem sich eine Übungsstunde mit einer qualifizierten Trainerin besonders lohnt. Viele kleine Details — deine Körperhaltung, das Timing deines Markers, wie du das Leckerli hältst — sind von außen leicht zu sehen, aber von innen kaum zu bemerken.
Wenn du in deiner Nähe Unterstützung suchst, hilft hundeschulen-finder.de weiter. Dort findest du Hundeschulen und Trainer nach Bundesland und Stadt — mit Übersicht über Methoden und Schwerpunkte. So findest du jemanden, der dir live zeigen kann, was kein Artikel ersetzen kann.