Warum Welpen alles anknabbern und wie du das Kauen auf erlaubte Gegenstände umlenkst.
Dein neuer Welpe hat bereits die Tischbeine, deine Lieblingsschuhe und das Ladekabel erwischt – und der Tag ist noch nicht mal halb um. Willkommen in der Welpenzeit. Das ständige Anknabbern ist für viele Halter eine der größten Überraschungen in den ersten Monaten. Die gute Nachricht: Es ist völlig normal, und du kannst aktiv etwas dagegen tun.
Bevor du reagieren kannst, lohnt es sich zu verstehen, warum dein Welpe überhaupt so viel kaut. Es gibt nämlich mehrere Gründe – und sie hängen oft vom Alter des Hundes ab.
Zwischen der dritten und siebten Lebenswoche verlieren Welpen ihre Milchzähne. Ab etwa der zwölften bis sechzehnten Woche brechen die bleibenden Zähne durch – und das tut weh. Das Zahnfleisch ist gerötet, geschwollen und empfindlich. Kauen lindert den Druck und verschafft kurzfristige Erleichterung.
Der Zahnwechsel ist in der Regel mit etwa sechs bis sieben Monaten abgeschlossen. Bis dahin wirst du merken, dass dein Welpe besonders intensiv nach Kaumöglichkeiten sucht.
Welpen erkunden ihre Welt zu einem großen Teil über den Mund. Was für uns Hände und Augen sind, ist für einen jungen Hund das Maul. Form, Textur, Geschmack – all das nimmt er durch Kauen und Beißen wahr. Das ist kein schlechtes Benehmen, sondern normale Entwicklung.
Ein Welpe, der zu wenig beschäftigt ist, sucht sich selbst eine Aufgabe. Und die findet er meistens dort, wo es am interessantesten riecht oder am befriedigendsten klingt – also an deinen Möbeln, Textilien oder Kabeln. Kauen ist für Hunde eine Form der Selbstregulation, ähnlich wie Menschen kauen oder mit dem Stift tippen, wenn sie nervös sind.
Auch Aufregung und leichte Überforderung können zu vermehrtem Kauen führen. Wenn dein Welpe nach dem Spielen oder nach Besuch nicht zur Ruhe kommt, sucht er manchmal im Kauen Erleichterung.
Welpen beißen beim Spielen – das nennt man Mouthing. Dabei lernen sie, wie viel Druck akzeptabel ist, zunächst durch das Feedback ihrer Geschwister, später durch dich.
Normales Mouthing erkennst du daran:
Problematisches Beißen zeigt sich so:
Im zweiten Fall solltest du professionelle Unterstützung durch einen Hundetrainer suchen. Hartes Beißen, das sich nicht durch normales Training korrigieren lässt, ist kein Phasenproblem, sondern ein frühzeitiges Warnsignal.
Der effektivste Ansatz ist nicht Verbote, sondern Umleitung. Dein Welpe braucht das Kauen – deine Aufgabe ist es, ihm zu zeigen, was er kauen darf.
Halte immer mehrere Alternativen bereit. Bewährt haben sich:
Wechsle das Angebot regelmäßig. Welpen verlieren schnell das Interesse an immer denselben Dingen. Zwei bis drei Spielzeuge im Rotation halten das Interesse hoch.
Wenn dein Welpe gerade zahnt, kann Kälte das gereizte Zahnfleisch beruhigen. Probiere folgendes:
Achtung: Gefrorene Gegenstände immer beaufsichtigt anbieten und auf die Größe achten, damit kein Erstickungsrisiko entsteht.
Wenn dein Welpe an einem verbotenen Gegenstand kaut, sag ruhig "Nein" oder mach ein kurzes Geräusch, das ihn unterbricht. Biete ihm sofort das erlaubte Spielzeug an. Sobald er es nimmt und damit beschäftigt ist, lobe ihn ruhig und kurz.
Schimpfen oder Bestrafen hilft kaum – dein Welpe versteht nicht, warum das eine gut und das andere schlecht ist. Er lernt durch Konsequenz und Wiederholung, nicht durch Strafe.
Solange dein Welpe noch lernt, was er kauen darf, liegt es an dir, gefährliche Situationen zu vermeiden.
Ein Laufstall oder ein abgesperrter Bereich für die Zeit, in der du nicht aufpassen kannst, schützt sowohl deinen Welpen als auch deine Einrichtung.
Es gibt einen Punkt, an dem normales Welpenkauen in destruktives Verhalten übergeht. Das passiert häufig, wenn:
Zerstörerisches Kauen, das auch nach dem Zahnwechsel anhält und sich nicht durch Training bessert, ist meist ein Zeichen für ein tieferliegendes Problem. Hier helfen konsequente Struktur, ausreichend Auslastung und im Zweifelsfall professionelle Unterstützung.
Die intensivste Phase liegt zwischen der zwölften und achtundzwanzigsten Lebenswoche. Mit abgeschlossenem Zahnwechsel – also mit etwa sechs bis sieben Monaten – lässt der Drang deutlich nach. Viele Halter berichten, dass ihr Hund danach entspannter und kontrollierbarer wird.
Das heißt nicht, dass adulte Hunde nicht mehr kauen. Kauen bleibt ein natürliches Bedürfnis – es geht darum, es in akzeptable Bahnen zu lenken.
Dein Welpe beißt alles an, weil er zahnt, die Welt erkundet oder schlicht beschäftigt sein möchte. Das ist kein Charakterfehler, sondern normale Entwicklung. Mit dem richtigen Angebot an Kauspielzeug, konsequenter Umleitung und einer welpengerechten Umgebung übersteht ihr diese Phase gut.
Falls du dir unsicher bist, ob das Beißen deines Welpen noch im normalen Rahmen liegt, oder wenn das Kauen trotz Training nicht nachlässt, lohnt sich der Blick zu einem erfahrenen Hundetrainer. Auf hundeschulen-finder.de findest du qualifizierte Hundeschulen und Trainer in deiner Nähe – von der Welpenstunde bis zur Einzelberatung.