Der richtige Zeitpunkt für die erste Welpengruppe, worauf du bei der Auswahl achten solltest, und welche Warnsignale es gibt.
Du hast einen Welpen — herzlichen Glückwunsch! In den nächsten Wochen wirst du viele Entscheidungen treffen: Welches Futter? Welches Halsband? Und: Welche Hundeschule?
Die letzte Frage ist wichtiger als die meisten Erstbesitzer denken. Nicht weil Welpen schon mit zwölf Wochen gehorchen müssen — sondern weil das Zeitfenster für eine gute Sozialisation kürzer ist, als du glaubst. Wer es verpasst, kämpft oft jahrelang mit den Folgen.
Dieser Artikel zeigt dir, wann du anfangen solltest, wie eine gute Welpengruppe aussieht, und woran du eine schlechte erkennst — bevor du Geld und Zeit verschwendest.
Hunde lernen nicht ihr ganzes Leben gleich gut. Es gibt eine sogenannte sensible Phase — einen kurzen Lebensabschnitt, in dem das Gehirn besonders empfänglich für neue Erfahrungen ist. Bei Hunden liegt diese Phase ungefähr zwischen der dritten und sechzehnten Lebenswoche.
In dieser Zeit entscheidet das Gehirn des Welpen, was zur Welt gehört und was nicht. Was er jetzt kennenlernt — andere Hunde, Menschen, Geräusche, Oberflächen, Kinder, Fahrräder — wird er später als normal empfinden. Was ihm fehlt, kann zu dauerhafter Scheu, Unsicherheit oder Aggression führen.
Das klingt dramatisch. Aber die Forschung ist eindeutig: Welpen, die in dieser Phase zu wenig erleben, entwickeln häufiger Verhaltensprobleme im Erwachsenenalter. Und Verhaltensprobleme sind der häufigste Grund, warum Hunde abgegeben oder eingeschläfert werden.
Eine gute Welpengruppe ist also keine nette Freizeitaktivität. Sie ist eine Investition in die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre.
Die Suche nach einer Welpengruppe beginnt idealerweise, bevor dein Welpe überhaupt bei dir einzieht. Gute Hundeschulen haben Wartelisten. Wer wartet, bis der Welpe da ist und dann erst sucht, landet oft nicht mehr im richtigen Kurs — oder verpasst wertvolle Wochen.
Ruf Hundeschulen in deiner Nähe an, erkläre, wann dein Welpe kommt, und trag dich ein. Die meisten freuen sich über frühzeitige Anmeldungen.
Die meisten Welpengruppen nehmen Hunde ab 8 bis 9 Wochen auf — also kurz nach dem Einzug. Voraussetzung ist in der Regel die erste Schutzimpfung, die typischerweise um die achte Lebenswoche gegeben wird.
Jetzt kommt eine Frage, die viele Erstbesitzer verunsichert.
Manche Tierärzte raten dazu, mit dem Welpen bis zur vollständigen Grundimmunisierung (oft erst mit 16 Wochen abgeschlossen) keine öffentlichen Hundebegegnungen zu haben. Auf den ersten Blick klingt das vernünftig. Aber es gibt ein Problem: Mit 16 Wochen ist die sensible Sozialisierungsphase vorbei.
Die American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB) und zunehmend auch europäische Tierärzte empfehlen deshalb: Welpengruppen sind ab einer Woche nach der ersten Impfung vertretbar, solange sie in einer sauberen, seriösen Umgebung stattfinden.
Das Risiko, dass ein schlecht sozialisierter Hund aufgrund von Verhaltensproblemen stirbt oder abgegeben wird, ist statistisch deutlich höher als das Risiko einer Infektion in einer gut organisierten Welpengruppe.
Sprich mit deinem Tierarzt. Aber lass dich nicht dazu bringen, die sensible Phase ungenutzt verstreichen zu lassen.
Nicht alle Welpengruppen sind gleich. Zwischen einer professionell geleiteten Gruppe und einer lieblos zusammengewürfelten "Tobegruppe" liegen Welten — für dich und deinen Hund.
Eine gute Welpengruppe ist keine einstündige Freispielstunde. Ja, Spielen ist wichtig. Aber unkontrolliertes, dauerhaftes Toben ohne Unterbrechung ist weder lehrreich noch gesund — für schüchterne Welpen kann es sogar traumatisch sein.
Eine typische Einheit von 45 bis 60 Minuten sollte enthalten:
Wenn ein Kurs das nicht bietet, ist er keine gute Welpengruppe.
Mehr als 6 bis 8 Welpen pro Trainer ist zu viel. Bei größeren Gruppen kann niemand wirklich aufpassen, Interaktionen beobachten und eingreifen. Frag vor der Anmeldung nach der Gruppengröße.
Idealerweise liegen die Welpen in einer Gruppe nicht mehr als vier Wochen auseinander. Ein sechzehn Wochen alter Labrador und ein acht Wochen alter Chihuahua haben völlig unterschiedliche Bedürfnisse — und das Kräfteverhältnis ist schlicht unfair.
Gute Schulen trennen entweder nach Alter oder nach Größe. Oder sie machen beides.
Eine Welpengruppe, die nur vier Einheiten umfasst, bringt wenig. Rechne mit 8 bis 12 Wochen, einmal pro Woche. Das gibt genug Zeit, um Fortschritte zu sehen, Probleme anzusprechen und eine echte Grundlage zu legen.
Du hast das Recht, dir eine Schnupperstunde anzuschauen oder Fragen zu stellen, bevor du dich anmeldest. Diese Zeichen sollten dich aufschrecken:
Genau so wichtig ist das Gegenteil. Diese Zeichen sprechen für eine professionelle Welpengruppe:
Am Ende einer guten Welpengruppe hat dein Hund idealerweise folgendes mitgenommen:
Soziale Kompetenz:
Selbstvertrauen:
Erste Grundlagen:
Das ist keine vollständige Ausbildung. Das ist der Anfang — eine Grundlage, auf der alles weitere aufbaut.
Eine Welpengruppe kostet je nach Region und Schule typischerweise 15 bis 25 Euro pro Einheit. Bei 10 Einheiten also 150 bis 250 Euro für den gesamten Kurs. Manche Schulen berechnen einen Gesamtpreis, andere eine Kursgebühr im Voraus.
Das klingt nach Geld — ist es auch. Aber verglichen mit den Kosten für Verhaltenstherapie, zerkauten Möbeln oder einem Hund, der nie zuverlässig abrufbar ist, ist es eine der sinnvollsten Investitionen, die du für deinen Hund tätigen kannst.
Einmal pro Woche ist der Standard. Das reicht, um Fortschritte zu machen, ohne den Welpen zu überfordern.
Die Welpengruppe ist der Start — nicht das Ziel. Mit etwa vier bis sechs Monaten ist dein Hund kein Welpe mehr, aber noch lange kein erwachsener Hund. Die Junghundephase ist berüchtigt: Hormonschwankungen, Testgrenzen, das berühmte "Vergessen" von allem, was er gelernt hat.
Viele Hundeschulen bieten deshalb direkt im Anschluss einen Junghundekurs an — empfehlenswert für die meisten Hunde. Hier werden die Grundlagen vertieft, die Impulskontrolle trainiert, und du lernst, mit einem jugendlichen Hund umzugehen.
Auch außerhalb des Kurses gilt: Sozialisation hört nicht auf. Spaziergänge an belebten Orten, Begegnungen mit verschiedenen Menschen, ruhige Hundebegegnungen — all das gehört zum Aufwachsen dazu.
Ein Welpe ist kein Projekt — er ist ein Lebewesen mit einem kurzen, kostbaren Zeitfenster, in dem er die Grundlagen für sein ganzes Leben legt. Eine gute Welpengruppe ist eine der wirksamsten Maßnahmen, die du in dieser Zeit ergreifen kannst.
Such dir eine Schule aus, die mehr bietet als Tobestunden. Eine, die dir etwas erklärt. Eine, in der du das Gefühl hast, dass der Trainer wirklich hinschaut.
Dein Hund kann das nicht für sich entscheiden. Aber du kannst.